Auch Katzen leiden unter Stress. Stress beeinträchtigt nicht nur ihre psychische Gesundheit, sondern kann auch zu körperlichen Beschwerden führen, etwa zu stressbedingter Zystitis oder übermäßigem Putzen.
Ich bin seit über 16 Jahren Tierärztin. Hier möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie Stress bei Ihrem vierbeinigen Familienmitglied erkennen, und was dagegen helfen kann. Lesen Sie weiter, um mehr zu erfahren!
Was verursacht Stress bei Katzen?
Stress ist eine natürliche Reaktion, die durch die Freisetzung von Hormonen wie Adrenalin und Noradrenalin gesteuert wird. Diese Hormone helfen Haustieren, Herausforderungen zu bewältigen und sich gegen Gefahren zu schützen. Ohne diese Stressreaktion würden Tiere so manche Gefahr übersehen! Ein gewisses Maß an Stress und Wachsamkeit hilft ihnen also, bei Gefahr zu fliehen oder sich zu wehren.
Weniger hilfreich ist diese Reaktion allerdings, wenn der Stress über längere Zeit anhält. Ebenfalls nicht ideal ist es, wenn die Situation an und für sich gar nicht bedrohlich ist, die Katze dies jedoch so wahrnimmt, etwa wenn Verwandte und Freunde auf einen Besuch kommen oder wenn Sie im Wohnzimmer die Vorhänge wechseln. Diese Art von Stress kann die psychische Gesundheit und die Lebensqualität Ihres Haustiers beeinträchtigen.
Meiner Erfahrung nach kann Stress auch körperliche Beschwerden verursachen, etwa eine feline idiopathische Zystitis. Diese Art von Blasenentzündung führt zu Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin und dazu, dass die Katze an ungewöhnlichen Stellen im Haus uriniert.Auch übermäßiges Putzen ist bei gestressten Katzen häufig. Es kann zu Haarausfall und Hautentzündungen führen.
Die wahrscheinliche Ursache für den Stress Ihrer Katze zu finden, kann Ihnen helfen, das Problem gezielt anzugehen. Häufige Auslöser sind:
- Katzen aus der Nachbarschaft, vor allem, wenn sie sich Zugang zu Ihrem Zuhause verschaffen
- Die Ankunft eines neuen Familienmitglieds, sei es ein Baby oder ein weiteres Haustier
- Besucher oder fremde Menschen
- Laute Geräusche wie Partymusik, Feuerwerk oder Donner
- Ein kürzlicher Umzug
- Ein Besuch beim Tierarzt
- Ein Aufenthalt in einer Katzenpension
- Lange Fahrten
- Veränderungen im Zuhause, etwa durch Renovierungsarbeiten, eine neue Einrichtung oder ein neues Möbelstück
Manche dieser Auslöser wirken nur kurzfristig und hinterlassen möglicherweise keine bleibenden Folgen. Andere, etwa regelmäßig eindringende Nachbarschaftskatzen, können deutlich problematischer sein.
Wie Sie Stress bei Ihrer Katze erkennen
Katzen sind ein wenig wie Menschen; sie alle haben unterschiedliche Persönlichkeiten und individuelle Verhaltensweisen. Deshalb kann sich Stress meiner Erfahrung nach auf ganz unterschiedliche Weise zeigen, zum Beispiel durch:
- Weniger Kontakt zu ihren Menschen oder anderen Tieren im Haushalt
- Weniger Interaktion mit ihren Besitzern oder anderen Tieren im Haushalt
- Verstärkte Aggressivität, etwa Knurren, Fauchen, Spucken und Pfotenhiebe
- Veränderungen im Appetit und Fressverhalten
- Übermäßiges Putzen und Lecken, was eine Ausdünnung des Fells oder Haarausfall verursacht
- Verändertes Schlafverhalten (mehr oder weniger als üblich)
- Ungewohnte Körperhaltung, z. B. gesenkter Kopf, eingezogener Schwanz, Muskelanspannung
- Übertriebene Wachsamkeit und Nervosität, z. B. weit geöffnete Augen und ständiges Beobachten der Umgebung
- Urinieren oder Kotabsetzen außerhalb des Katzenklos
- Zerkratzen oder Beschädigung von Einrichtungsgegenständen
- Wiederkehrende Blasenentzündungen mit Schmerzen, Blut im Urin und starkem Pressen beim Wasserlassen
Wenn Sie bei Ihrer Katze eines dieser Symptome beobachten, bringen Sie sie zur tierärztlichen Untersuchung. Denn manche dieser Anzeichen können auch auf eine Erkrankung hinweisen. Deshalb ist es unerlässlich, zugrunde liegende gesundheitliche Probleme auszuschließen, bevor man davon ausgeht, dass die Katze unter Stress leidet.
5 Tipps, um Stress bei Ihrer Katze zu reduzieren
Sorgen Sie dafür, dass Ihr Zuhause ein sicherer Ort ist
Ihr Zuhause ist die Welt Ihrer Katze, daher ist es wichtig, dass sie sich dort sicher fühlt. Die Installation einer Mikrochip-Katzenklappe verhindert, dass unbefugte Tiere in Ihr Haus gelangen. Das gibt Ihrer Katze mehr Sicherheit. Eine Mikrochip-Katzenklappe liest die Chip-Nummer Ihrer Katze und gibt ihr Zugang. Für fremde Katzen, deren Chip-Nummer nicht einprogrammiert ist, bleibt die Mikrochip-Katzenklappe geschlossen.
Neben einer Mikrochip-Katzenklappe gibt es eine Reihe weiterer Möglichkeiten, das Stressniveau zu reduzieren. Etwa indem Sie in Ihrem Zuhause ausreichend Versteckmöglichkeiten oder erhöhte Liegeplätze bereitstellen. Meiner Erfahrung nach fühlen sich Katzen sicherer und weniger ängstlich, wenn sie die Möglichkeit haben, natürliche Verhaltensweisen wie Verstecken und Klettern auszuleben.
Sorgen Sie für einen verlässlichen Tagesablauf
Durch feste Routinen weiß Ihre Katze immer, was sie im Lauf eines Tages zu erwarten hat. Das bedeutet: feste Fütterungs- und regelmäßige Spielzeiten Dies kann besonders hilfreich sein, wenn andere Veränderungen bevorstehen, wie etwa ein neues Familienmitglied oder ein Umzug.
Sie sollten zudem sicherstellen, dass Sie ausreichend Ressourcen (Futter, Wasser, Spielzeuge, Liegeplätze) im Haus bereitstellen, damit Ihre Katze nicht in Konflikt mit anderen Haustieren gerät. Für jede Katze in Ihrem Haushalt sollte ein separates Katzenklo vorhanden sein, plus eines extra. Dasselbe gilt auch für die Futter- und Wassernäpfe. Das bedeutet, dass Ihre Katze regelmäßig über den Tag verteilt Zugang zu diesen Dingen hat, ohne darum kämpfen zu müssen. Viele Katzen bevorzugen eine Wasserquelle nicht in unmittelbarer Nähe der Futternäpfe. Dies fördert ein natürlicheres Trinkverhalten und beugt Spannungen im Fressbereich vor.
Wenn Sie Partys veranstalten oder Gäste empfangen sollten Sie Rücksicht auf Ihren Stubentiger und seine Gewohnheiten nehmen. Am besten steht ihm ein ruhiger Bereich im Haus oder in der Wohnung zur Verfügung, wo er ungestört bleibt.
Mehr Zeit zum Spielen
Indem Sie sich bewusst Zeit für Ihre Katze nehmen, schenken Sie ihr positive Erlebnisse. Beim Spielen können Katzen Jagdverhalten wie Anschleichen und Anspringen „üben“, was gut für ihre körperliche Fitness, aber auch für ihr Gehirn ist. Ich sehe immer wieder, dass diese Art von Stimulation dazu beitragen kann, Stressgefühle und Ängste von Katzen abzubauen und die Bindung zu ihrem Menschen zu fördern.
Erwägen Sie den Einsatz von Pheromon-Diffusoren und anderen Beruhigungsprodukten
Es gibt eine Fülle von rezeptfreien Produkten, die Angst und Nervosität bei Ihrer Katze lindern können. Studien zeigen, dass Diffusoren oder Sprays mit künstlichen Pheromonen manchen Katzen helfen können, sich zu entspannen. Auch Nahrungsergänzungsmittel können hilfreich sein, obwohl bei einigen dieser Produkte noch weitere klinische Studien erforderlich sind. Viele dieser Produkte enthalten häufig natürliche Inhaltsstoffe wie L-Theanin, Casein, L-Tryptophan und B-Vitamine, denen eine natürliche beruhigende oder nervenschützende Wirkung zugeschrieben wird.
Sprechen Sie mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt
Wenn Ihre Katze trotz Ihrer Bemühungen, ein sicheres häusliches Umfeld zu schaffen, weiterhin gestresst wirkt, sollten Sie Ihren Tierarzt konsultieren. Ich empfehle dies ohnehin als ersten Schritt, um etwaige zugrunde liegende gesundheitliche Probleme auszuschließen. Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt kann Ihnen auch dabei helfen, den Stress Ihrer Katze langfristig zu reduzieren. Er oder sie kann verschreibungspflichtige Medikamente empfehlen oder Sie an eine qualifizierte Fachkraft für Tierverhalten überweisen, falls die Schwierigkeiten andauern.
Das Wichtigste auf einen Blick
Es ist wichtig, dass sich Ihre Katze sicher und geborgen fühlt, da anhaltender Stress schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann. Mikrochip-Katzenklappen sind ein unverzichtbares Hilfsmittel, um Eindringlinge fernzuhalten; regelmäßige Spielzeiten, eine gute Routine und beruhigend wirkende Produkte können ebenfalls eine große Hilfe sein.
Wenn Sie sich Sorgen um den Stress oder das Verhalten Ihrer Katze machen, kann Ihr tierärztliches Team medizinische Ursachen ausschließen und Sie zu den nächsten sinnvollen Schritten beraten.